Bericht aus dem Gemeindeblatt für das Kirchspiel Stolzenburg-Blankensee,
mit den eingepfarrten Ortschaften Pampow, Freienstein, Lenzen, Glashütte, Müllershöhe.
Verfasser: Pastor Lesko (1919 oder 1920)

Anmerkung: Der nachfolgende Text befand sich bis zur Erneuerung der Turmhaube in der Kapsel. In den 80iger Jahren des 20. Jahrhunderts bekam der Turm eine neue Spitze mit einem goldenen Hahn, ein neues Kupferdach und eine neue Verkleidung.

Dieser Text wurde uns von Frau Tettenborn zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür.

 

Was enthält der Turmkopf der Kirche Blankensee?

unsere Kirche im November 2002
  Antwort auf eine Anfrage: "Was enthält der Trumkopf der Kirche Blankensee?"
  Der Turmkopf birgt eine versiegelte Blechtafel, welche eine Urkunde folgenden Inhalts umschließt:
 

"Nachdem die hiesige Kirche zu Blankensee seit undenklichen Jahren keinen Turm, wohl aber ein Stück von einer alten Turmmauer gehabt, und die Kirche ein ansehnliches Vermögen gesammelt, so ist von den resp. Herrschaften dieses Ortes und Patronen dieser Kirche, dem hochwürdig hochgeborenen Herrn Friedrich Wilhelm Graf von Lepel, Erb-, Lehns- und Gerichtsherrn der Güter Nassenheide, Böck, Blankensee, Kuhweide, Frauenhagen pp, des St. Johanniter-Ordens Ritter und designierten Kommendator auf Lietzen und Schievelbein, und dem am 8. April d. Js. Verstorbenen weiland hochwohlgeborenen Herrn Ludwig Otto von Ramin Schloß- und Burggesessenen auf Stolzenburg, Blankensee, Pampow, Lenzen. Glashütte pp. auf meine Vorstellung einen neuen Turm auf hiesiger Kirche mit deren Verlängerung bauen zu lassen, bewilligt worden.

Es ist dazu bald Vorschlag und Riß von dem Herrn Bauinspektor und Bürgermeister Schulz zu Pasewalk angefertigt, von denen resp. Herrn Patronen am 27. Januar cr. schriftliche Genehmigung des Vorschlages gesuchet, und endlich unter dem 26. Februar cr. von einem Königlich hochwürdigen Konsortium zu Stettin königliche Approbation eingeholt worden.

Es ist nachher von mir dem Maurermeister zu Pasewalk, Herrn Karl Christian Ebmann aufgetragen worden, alles nach dem Vorschlag sowohl an Maurer als auch Zimmer- und andrer Arbeit zu besorgen. Selbiger hat auch sogleich sieben Gesellen und drei Handlanger gestellt, um teils den Westgiebel der Kirche zu deren Verlängerung und die nach der Nordseite um acht Fuß eingerückte Turmmauer abzubrechen, teils auf dieser Nordseite ein neues Stück Turmmauer mit der Kirche egal aufzumauern.

Zum Zimmermann hat er den Meister Michael Sidow aus Pasewalk genommen, der mit drei Gesellen den Turm verbunden.

Das Holz ist aus der Stolzenburgischen Heide und die Steine von der Stolzenburgischen Ziegelei genommen. Die eiserne Helmstange hat der hiesige Schmied Meister Joachim Bröcker geschmiedet.

Die Fuhren der Materialien, dazu ich mitgeholfen, sind unentgeltlich verrichtet von der ganzen Nachbarschaft, dazu 12 Bauern gehören, namentlich:

  1. der Schulz Michel Dreblow jun. Lepelschen Anteils,
  2. der Schulz Michel Dreblow sen. Raminschen Anteils auch Kirchenvorsteher,
  3. Samuel Rieck, Kirchenvorsteher,
  4. der Bauer Konrad,
  5. der Bauer Gabriel Duchow,
  6. der Bauer Rautenberg,
  7. der Bauer Leben,
  8. der Bauer Mietzner,
  9. der Bauer Rubbert,
  10. des verstorbenen Bauer Tiessen Witwe,
  11. der Bauer Vormelker,
  12. der Bauer Berend.

Der Anfang des Richtens mit dem Turm ist der 2. August von der ganzen Dorfschaft, sowohl von den Bauern als auch Häusgenleuten mit recht sehr vielen Fleiß und Willigkeit nicht allein gemacht, sondern auch bis auf heute betrieben, und heute Knopf, Fahne und Stern von dem Zimmermann aufgesteckt worden und Gott Lob alles ohne Schaden abgegangen.

Der große Gott, der in der Höhe und im Heiligtum wohnet, wolle mit seiner gnädigen wohltuenden Aufsicht auch über diesen neuerbauten Turm walten, denselben vor verwüstende Wetterschaden mildest bewahren und ihn die Zierde dieser Kirche auf späte Zeiten sein lassen. Amen. Halleluja. Amen!

Unter welchen aufrichtigen Wunsch diese Nachricht von mir eigenhändig aufgesetzt und selbige in meiner Gegenwart in einer blechernen versiegelten Kapsel in den Knopf des Turmes gelegt. So geschehen zu Blankensee den 7. August 1777 J. G. Schütze, Prediger."

"Es hat zu dieser Zeit, da der Turm erbauet ist, ein ruhiger Friede die Einwohner der königl. Preuß. Staaten unter dem beglückten Zepter des glorwürdigsten Königs Friedrich II. erfreut. Teurung und Mißwachs hat keine Sorge verursacht. Vielmehr hat unsre Kirche einen reichen Segen von Roggen gehabt. Der Scheffel Weizen hat seit dem 30. Juli gegolten. 1 Thaler 5 Gr., der Roggen 21 Gr., die Gerste 16 Gr., der Hafer 12 Gr., die Erbsen 1 Thaler.

Der Generalsuperintendent über Pommern ist Herr Christian Friedrich Göhring, der Präpositus Synodi (Superintendent) Herr Johann Friedrich Stieglitz, die Synodalen: Herr Pastor und Senior Dreyer zu Boock, Herr Hopp in Dargitz, Herr Gensichen in Torgelow, ich Schütze zu Blankensee, Herr Täge Diakonus zu Pasewalk, Herr Maas in Coblenz, Herr Berens in Böck.
Der Küster hierselbst ist Meister Gottfried Block."