Nordkurier - Pasewalker Zeitung
 
Artikel vom 03.07.2010

"Empfinde Harmonie in Blankensee"

Von Gabriele Heyden Blankensee.

"Sie werden staunen, wie viele Menschen diesmal am Kirchenrundgang teilnehmen", hatte Pfarrer Hans-Matthias Kischkewitz angekündigt. Und tatsächlich stehen zwölf Personen vor der Dorfkirche in Blankensee. Man könnte meinen, der Gottesdienst beginnt gleich. "Ich habe nicht einmal einen Schlüssel für die Kirche", sagt der Pfarrer, lacht dabei und fügt hinzu: "Wenn ich diese Kirche betrete und Menschen sind da, empfinde ich eine besondere, harmonische Stimmung." Zum Kirchenrundgang mit der Zeitung haben sich Christel Lesener, Sieglinde Berger, Willy und Erna Dreblow, Helga Rothe, Teresa Kuhräuber, Ilse Haack, Manfred und Dorothea Völz und Renate Polzin aus Blankensee sowie Irmtraut und Gerhard Müller aus Pampow eingefunden. Pampow und Blankensee sind schon immer eine Kirchgemeinde; Glashütte gehört ebenfalls dazu. 1997 erfolgte der Zusammenschluss mit Boock. Hans-Matthias Kischkewitz ist seit 2001 "ihr" Pfarrer, und wenn Männerstimmen im Blankenseer Chor fehlen, dann füllt er diese Lücke gerne aus. Die Lücke der nicht mehr besetzten Küsterstelle füllen ganz selbstverständlich die Blankenseer und Pampower aus. "Zum Verabschiedungsgottesdienst für unsere Küsterin war Bischof Eduard Berger hier und hat uns mitgeteilt, dass die Küsterstelle nicht mehr besetzt wird", erzählt Erna Dreblow. "Nun wird sich zeigen, wer ein richtiger Christ ist", habe er gesagt. Hätte der Bischof die Blankenseer und Pampower besser gekannt, hätte er sich diesen Satz geschenkt. Wenn Gottesdienst ist, bereiten zwei, drei Blankenseer die Kirche vor. Bei Arbeitseinsätzen sind es dann 18. Zwei- bis dreimal im Jahr wird die Dorfkirche von oben bis unten geputzt. Um die Grünanlagen kümmern sich Christian Wittkopf aus Pampow und Willy Dreblow, der gemeinsam mit seiner Frau Erna auch die Straße vor der Kirche sauber hält. Olaf Lesener aus Blankensee ist fürs Läuten zuständig. "Wir haben auch eine Internetseite über unser Dorf, die macht mein Sohn Olaf", sagt Christel Lesener stolz. Das sei eine tolle Homepage, bestätigen die anderen. "Da stehen sogar aktuell unsere Fußballergebnisse drin und über unsere Kirche auch viel."Das entspricht den Tatsachen. Dort findet sich eine Rubrik Kirche mit vielen Informationen und Bildern. Ein Eintrag vom 15. Oktober 2005 lautet: "Orgelreparatur 2005 - Die Orgel der Blankenseer Kirche wird in diesem Jahr repariert. Der Orgelbauer Tino Herrig führt die Reparatur aus. Er ist begeistert von unserer Orgel. 1888 von der Stettiner Orgelbaufirma Grüneberg gebaut, ist sie in ihrem Originalzustand erhalten. Eine sehr wertvolle Orgel, so der Fachmann..." Die Orgel, sagt Pfarrer Kischkewitz, gebaut von Barnim Grüneberg, sei ursprünglich nicht für die Blankenseer Kirche bestimmt gewesen. "Sie ist ein wenig zu groß, so mussten einige Orgelpfeifen abgewinkelt eingebaut werden", erklärt Hans-Matthias Kischkewitz. Olaf Lesener berichtet im Internet auch von Freunden aus Lübeck von der St. Philippus Gemeinde. Zu Freunden sind die Lübecker in der Tat geworden, das bestätigen die anwesenden Blankenseer und Pampower. Seit 1957 bestehe die Partnerschaft bereits. "Zu DDR-Zeiten nannte man es Patenbeziehung. Nach der Wende sind diese Beziehungen oft abgebrochen", sagt der Pfarrer. "Um so mehr freue ich mich, dass diese weiterbesteht." Seit nunmehr 15 Jahren treffen sich Mitglieder der beiden Kirchgemeinden einmal jährlich in Zingst auf dem Zingsthof und verbringen ein Wochenende gemeinsam. Die gegenseitigen Besuche seien nicht immer so einfach gewesen. "Die Lübecker wurden mitunter zu Cousine oder Cousin, damit sie einreisen durften", erzählen die Blankenseer. "Sie haben uns oft finanziell unterstützt, zum Beispiel für die Sanierung der Orgel." Es gebe noch viel zu erzählen, zum Beispiel, dass der Blankenseer Bürgermeister viel für die Kirchgemeinde macht. "Wir dürfen das Gemeindezentrum kostenlos nutzen, und Siegfried Dressler hat dafür gesorgt, dass die Kirche nachts so schön angeleuchtet wird", sagt Dorothea Völz. Zu erzählen gebe es, dass der gelernte Maler Christian Wittkopf das gesamte Gestühl und die Empore kostenlos gestrichen hat oder dass Manfred Schmidt aus Preetz bei Lübeck ein wunderbares Kreuz und zwei Kerzenleuchter der Kirche geschenkt hat oder dass Erika Meincke aus Lübeck eine Altardecke in Hardangerstickerei gefertigt und der Kirchgemeinde geschenkt hat...@!www.blankensee.de

Aus Paten sind Freunde geworden.

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